Stefan Schindl, Der Offizier
Gesichtslesen erklärt
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Face Reading, Human Design, Astrologie: Wo liegt der Unterschied?

Kurz gesagt. Astrologie, Human Design und Face Reading werden genutzt, um mehr über die eigene Persönlichkeit zu erfahren. Astrologie und Human Design rechnen mit Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort. Face Reading nach Siang Mien liest Merkmale, Formen und Proportionen im Gesicht. Keine der drei Methoden ist wissenschaftlich bestätigt. Sie unterscheiden sich darin, woraus sie ihre Aussagen ableiten.

Von Stefan Schindl · Stand


Astrologie: das Geburtshoroskop

Das Geburtshoroskop zeigt, wo Sonne, Mond und Planeten zum Zeitpunkt der Geburt standen, gesehen vom Geburtsort aus. Dafür braucht es das Geburtsdatum, eine möglichst genaue Geburtszeit und den Geburtsort.

Die westliche Astrologie teilt den Tierkreis in zwölf Zeichen. Dazu kommen zwölf Häuser, die sich aus Uhrzeit und Ort der Geburt ergeben. Deshalb verändert schon eine andere Geburtszeit das Horoskop.

Genutzt wird die Astrologie zur Deutung der Persönlichkeit und für Prognosen. In Österreich ist sie ein eigenes freies Gewerbe. Die Berufsgruppe grenzt sich laut Wirtschaftskammer ausdrücklich von der Wahrsagerei ab.


Human Design: ein Chart aus Geburtsdaten

Human Design geht auf Alan Robert Krakower zurück, der sich Ra Uru Hu nannte und von 1948 bis 2011 lebte. Nach eigener Darstellung entstand das System im Jänner 1987 auf Ibiza. Seine Vertreter beschreiben es als Verbindung von I Ging, Kabbala, Chakrenlehre und Astrologie.

Auch Human Design braucht Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort. Daraus entsteht eine Grafik mit neun Zentren, der Bodygraph. Nach eigener Darstellung können schon wenige Minuten Unterschied in der Geburtszeit das Ergebnis verändern.

Human Design verwendet astrologische Berechnungen der Planetenstellungen. Sternzeichen und Häuser deutet es nicht. Aus dem Chart leitet es einen Typ ab, je nach Zählweise einen von vier oder fünf. Zu jedem Typ gehören eine Strategie und eine innere Autorität, die bei Entscheidungen Orientierung geben sollen.


Face Reading nach Siang Mien: das Gesicht

Face Reading nach Siang Mien betrachtet das Gesicht selbst: Stirn, Augen, Mittelgesicht, Mund, Kinn und wie diese Teile zueinander stehen. Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort braucht es dafür nicht. Stefan Schindl arbeitet mit drei Fotos, eines frontal und je eines im Profil von rechts und von links.

Geburtshoroskop und Human-Design-Chart bleiben ein Leben lang gleich, weil sich die Geburtsdaten nicht ändern. Ein Gesicht verändert sich mit den Jahren, etwa durch Falten. Ein Face Reading liest es so, wie es zum Zeitpunkt der Fotos aussieht.

Das Siang Mien ist eine chinesische Lehre, die seit Jahrtausenden überliefert wird. Stefan Schindl liest danach Veranlagungen, keine Vorhersagen.


Gesicht und Geburtsdaten in der chinesischen Überlieferung

Auch in China gibt es Verfahren, die mit Geburtsdaten arbeiten. Bazi, auf Chinesisch 八字, heißt übersetzt Acht Zeichen und rechnet mit Geburtsdatum und Geburtsstunde. Das Gesichtslesen beruht dagegen auf der Beobachtung.

Ein Gelehrter der Ming-Zeit zählte die Deutung der Geburtsdaten und das Lesen des Körpers zu verschiedenen Zweigen. Im kaiserlichen Bücherkatalog des 18. Jahrhunderts stehen Bücher beider Richtungen trotzdem in einer gemeinsamen Abteilung. Die beiden Verfahren waren also verschieden, ihre Bücher standen aber nebeneinander.


Was die Forschung sagt

Für keine der drei Methoden gibt es einen wissenschaftlichen Nachweis. Das gilt auch für Face Reading. Mehr dazu steht auf der Seite Kann man den Charakter am Gesicht erkennen?

Zur Astrologie gibt es zahlreiche Versuche. Im Jahr 1985 veröffentlichte der Physiker Shawn Carlson einen Doppelblindtest mit 28 Astrologen. Sie sollten zu jedem Geburtshoroskop aus drei Persönlichkeitsprofilen das passende wählen. Ihre Trefferquote lag bei etwa einem Drittel, so hoch wie bei zufälliger Wahl. Eine spätere Neuauswertung hält den Versuchsaufbau für ungünstig und findet ein knapp positives Ergebnis. Als Bestätigung der Astrologie wertet auch sie es nicht.

Geoffrey Dean und Ivan Kelly untersuchten 2003 mehr als 2.000 Menschen, die im März 1958 in London geboren wurden. Aufeinanderfolgende Geburten lagen im Schnitt nicht einmal fünf Minuten auseinander. In 110 Merkmalen ähnelten sich diese Zeitzwillinge nicht mehr als zufällig zusammengestellte Paare.

Zu Human Design gibt es kaum Untersuchungen. Eine Diplomarbeit an der Universität Wien verglich 2012 bei 88 Teilnehmenden Human-Design-Analysen mit einem gängigen Persönlichkeitsfragebogen. Sie konnte die Aussagen nicht bestätigen. Zutreffende und vertauschte Analysen fanden etwa gleich viel Zustimmung. Die Arbeit sieht darin einen Hinweis auf den Barnum-Effekt: Allgemein gehaltene Beschreibungen wirken auf viele Menschen persönlich zutreffend. Dieser Effekt kann bei jeder Methode auftreten, die Persönlichkeit beschreibt.


Fragen

Braucht Face Reading ein Geburtsdatum?
Nein. Face Reading nach Siang Mien liest Merkmale, Formen und Proportionen im Gesicht. Stefan Schindl arbeitet dafür mit drei Fotos.
Ist Human Design eine Form der Astrologie?
Nicht ganz. Human Design verwendet astrologische Berechnungen der Planetenstellungen. Nach eigener Darstellung verbindet es sie mit weiteren Lehren wie dem I Ging. Sternzeichen und Häuser deutet es nicht.
Ist eine der drei Methoden wissenschaftlich belegt?
Nein. Für Astrologie, Human Design und Face Reading gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Sie unterscheiden sich in ihren Grundlagen.
Kann man die Methoden verbinden?
Manche Anbieter verbinden zum Beispiel Horoskop und Gesichtslesen in einem Reading. Stefan Schindl arbeitet ausschließlich mit dem Gesicht nach Siang Mien.

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Quellen

  • Wirtschaftskammer Österreich: Berufsgruppe Astrologie. wko.at
  • Wikipedia: Horoskop, Aufbau des Geburtshoroskops. de.wikipedia.org
  • Jovian Archive: What is Human Design, Selbstdarstellung. jovianarchive.com
  • Wikipedia: Human Design. de.wikipedia.org
  • Xing Wang: Fortune and the Body. Physiognomy in Ming China. Dissertation, University of Oxford 2017. ora.ox.ac.uk
  • Ulrich Theobald: Shushu, Wahrsagebücher im kaiserlichen Katalog. chinaknowledge.de
  • Shawn Carlson: A double-blind test of astrology. Nature, Jahrgang 318, 1985, Seiten 419 bis 425. doi.org/10.1038/318419a0
  • Suitbert Ertel: Appraisal of Shawn Carlson's renowned astrology tests. Journal of Scientific Exploration, Jahrgang 23. journalofscientificexploration.org
  • Geoffrey Dean und Ivan W. Kelly: Is astrology relevant to consciousness and psi? Journal of Consciousness Studies, Jahrgang 10, 2003, Seiten 175 bis 198. ingentaconnect.com
  • Katharina Freistetter: Persönlichkeitsdiagnostik unter dem Aspekt des Barnum-Effekts. Diplomarbeit, Universität Wien 2012.

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